Sommersemester 2012
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Vorlesung
Rechtsradikalismus in Deutschland von 1945 bis heute
Prof. Dr. Norbert Frei
Di. 16-18 Uhr
UHG HS 024
Die Vorlesung behandelt, offenkundig nicht ohne aktuellen Anlass, die Entwicklung der extremen politischen Rechten in Deutschland seit dem Ende des "Dritten Reiches". Betrachtet werden - und zwar auch in ihrem Rückgriff auf Strukturen und Mentalitäten aus der Weimarer Zeit - die schon in der frühen Nachkriegszeit einsetzenden (neo-)nazistischen, völkischen und rechtskonservativen Sammlungsbemühungen, die Geschichte der einschlägigen Parteien und die um diese herumgelagerte Verbands-, Vereins- und Verlagsszene. Mit dem Ziel, zu Aussagen über seine soziale Basis, aber auch über die politischen und gesellschaftlichen Reaktionen zu gelangen, geht es schließlich um die Aktionsgeschichte rechten Terrors in der Bundesrepublik: vom Oktoberfest-Attentat 1980 in München über die Welle fremdenfeindlicher Gewalt in den frühen 1990er Jahren bis hin zur Mordserie des "Nationalsozialistischen Untergrunds".
Einführende Literatur: Wolfgang Benz (Hrsg.): Rechtsextremismus in Deutschland. Voraussetzungen, Zusammenhänge, Wirkungen, Frankfurt am Main 1996; Thomas Assheuer/Hans Sarkowicz: Rechtsradikale in Deutschland. Die alte und die neue Rechte, München 21992; Toralf Staud: Moderne Nazis. Die neuen Rechten und der Aufstieg der NPD, Köln 2007.
Grundkurs
Grundkurs Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts
Prof. Dr. Hans-Werner Hahn / Dr. Annette Weinke
Do. 10-12 Uhr
UHG HS 235
Der Grundkurs "Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts" bildet zusammen mit einer Seminarveranstaltung das Basismodul zum 19. und 20. Jahrhundert. Der Grundkurs bietet einen an chronologischen und grundsätzlichen Themenkomplexen sowie an Forschungsfragen orientierten Überblick über die Zeit von der Franzosischen Revolution bis zur Gegenwart. Dabei steht die deutsche Geschichte zwar im Vordergrund, europäische und außereuropäische Bezuge spielen jedoch ebenfalls eine große Rolle. Studierende sollten keine ereignisgeschichtliche Vollständigkeit, sondern einen an Grundfragen orientierten Problemaufriss erwarten, der einen Einstieg in das Studium der Neueren und Neuesten Geschichte erleichtert.
Einführende Literatur: Christoph Nonn: Das 19. und 20. Jahrhundert. Orientierung Geschichte. Paderborn 2007; Jürgen Osterhammel: Die Verwandlung der Welt. Eine Geschichte des 19. Jahrhunderts. München 2009; Andreas Wirsching (Hrsg.): Neueste Zeit (Oldenbourg Geschichte Lehrbuch). München 2006; Barbara Wolbring: Neuere Geschichte studieren. Konstanz 2006; ferner sei auf die Bücher der Reihe "Oldenbourg Grundriss der Geschichte" verwiesen.
Seminar im Basismodul
Medizin im Nationalsozialismus
Dr. Annette Weinke
Mi 16-18 Uhr
UHG SR 166
"Lebensraum" für den "Neuen Menschen" zu schaffen - so lautete das Motto der nationalsozialistischen Erbgesundheits- und Rassepolitik. Zu diesem Zweck beabsichtigte man, Kontrolle über einen imaginierten "Volkskörper" zu erlangen und ihn von allen unerwünschten "Beimischungen" zu "reinigen". In letzter Konsequenz lief dies auf die Ausgrenzung und Vernichtung ganzer Bevölkerungsgruppen hinaus, darunter Juden, Sinti und Roma sowie Kranke und Behinderte. Das Seminar nimmt einerseits die NS-Gesundheitspolitik und die ihr zu Grunde liegende Weltanschauung in den Blick. Andererseits soll nach dem Verhalten von Ärzten, Wissenschaftlern und Verbandsvertretern gefragt werden. Schließlich wird danach zu fragen sein, welche Konsequenzen seit 1945 aus den NS-Medizinverbrechen gezogen wurden.
Tutorium: David Schmiedel, Do 16-18 Uhr, CZ 3, SR 128
Einführende Literatur: Robert Jütte u.a. (Hrsg.): Medizin und Nationalsozialismus. Bilanz und Perspektiven der Forschung, Göttingen 2011.
Seminar im Basismodul
Vom Freisinn zum unternehmerischen Selbst: Liberalismus im 20. Jahrhundert
Dr. Tim Schanetzky
Mi 8-10 Uhr
UHG SR 223
Liberale Parteien hat es in den unterschiedlichen politischen Systemen des 20. Jahrhunderts fast immer gegeben, und gemessen an ihrem begrenzten Wählerpotential übten sie einen bemerkenswert großen Einfluss aus. Selbst der jüngste Popularitätsverlust der FDP verweist eigentlich auf die Erfolge liberaler Ideen: Individualismus und Eigenverantwortung, Bürgerrechte und Vertrauen in die Marktkräfte - liberale Ideen finden sich inzwischen in allen Parteiprogrammen. Vor diesem Hintergrund fragt das Seminar zum einen nach dem politischen Gewicht der liberalen Parteien. Zum anderen nimmt es die Wandlung liberaler Ideen in den Blick und geht davon aus, dass deren Geltungsanspruch mit dem Siegeszug "neoliberaler" Ordnungsvorstellungen generalisiert wurde.
Tutorium: Daniel Aschenbrenner, Do 18-20 Uhr, UHG, SR 219
Einführende Literatur: Rudolf Walter: Liberalismus, in: Geschichtliche Grundbegriffe. Historisches Lexikon zur politisch-sozialen Sprache in Deutschland, Bd. 3, S. 741-815; Dieter Lange-wiesche: Liberalismus in Deutschland, Frankfurt am Main 1988; David Harvey: Kleine Geschichte des Neoliberalismus, Zürich 2007; Ulrich Bröckling: Das unternehmerische Selbst. Soziologie einer Subjektivierungsform, Frankfurt am Main 2007.
Seminar im Basismodul
Von Karl Marx bis Gregor Gysi. Deutsche Kommunisten im 19. und 20. Jahrhundert
Dr. des. Dominik Rigoll
Mo 14-16 Uhr
Humboldstr. 8, SR 1
Die Auszeichnung von Eugen Ruges Roman "In Zeiten abnehmenden Lichts" mit dem Deutschen Buchpreis 2011 hat einem breiten Publikum vor Augen geführt, dass es sich lohnt, die Geschichte des deutschen Parteikommunismus, seiner Anhänger, Ideologen und Apparatschiks nicht erst mit der Errichtung der SED-Diktatur beginnen zu lassen, sondern früher, mit der Zeit der Verfolgung und des Exils nach 1933. Das Seminar wird den Bogen noch weiter spannen und mit jenen Pariser und Londoner Exilanten einsetzen, die in dem seit 1847 bestehenden Bund der Kommunisten aktiv waren. Der Zugang zur Thematik wird ein biographischer sein, d.h. gemeinsam erarbeitet werden nicht nur Kenntnisse zur kommunistischen Programmatik und Organisation, sondern auch die Lebenswege ausgewählter Kommunisten, darunter Karl Marx, Rosa Luxemburg, Ernst Thälmann, Walter Ulbricht, Wolf Biermann, Ulrike Meinhof, Erich und Margot Honecker, Erich Mielke und Gregor Gysi. Von Interesse ist dabei neben dem Selbst- und Weltbild auch die politische Praxis in der Opposition wie an der Macht.
Tutorium: Stefan Wünsche, Mo 16-18 Uhr, UHG, SR 223
Einführende Literatur: Es wird erwartet, dass sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer vor der ersten Sitzung selbständig einen Überblick verschaffen mithilfe des Essays von Gerd Koenen: Was war der Kommunismus? Göttingen 2010. Das Büchlein kostet gebraucht weniger als 10 Euro und ist dringend zur Anschaffung empfohlen.
Seminar im Aufbaumodul
Dekolonisierung und Dekolonisierungskonflikte nach 1945
Dr. Annette Weinke
Mi 10-12 Uhr
Sellierstr. 6
Die Dekolonisierung nach 1945 zählt heute zu den wichtigsten Forschungsfeldern einer transnational ausgerichteten Geschichtsforschung. Innerhalb weniger Jahrzehnte zerfielen in einer Art Kettenreaktion jahrhundertealte Imperien, während gleichzeitig eine Vielzahl neuer Nationalstaaten entstand. In dem Kurs sollen die Ausgangsbedingungen dieses Prozesses betrachtet werden und gleichzeitig nach dessen oft konfliktreichen Folgen gefragt werden. Dabei sollen - in Anknüpfung an die Perspektiven der "Transnationalen Geschichte" und "Globalgeschichte" - Transfer- und Verflechtungsprozesse sowie diplomatische, ökonomische, militärische und kulturelle Aspekte des Gesamtprozesses herausgearbeitet werden.
Einführende Literatur: Ulrike Lindner: Neuere Kolonialgeschichte und Postcolonial Studies, Version: 1.0, online in: Docupedia-Zeitgeschichte; Sebastian Conrad, Schlägt das Empire zurück? Postkoloniale Ansätze in der deutschen Geschichtsschreibung, in: WerkstattGeschichte 31 (2001), S. 73-83; Robert Holland (Hrsg.), Emergencies and Disorder in the European Empires after 1945, London 1994; Fabian Klose, Menschenrechte im Schatten kolonialer Gewalt. Die Dekolonisierungskriege in Kenia und Algerien 1945-1962, München 2009.
Seminar im Aufbaumodul
Apokalyptische Bevölkerungsdiskurse im 20. Jahrhundert
Dr. Annette Weinke
Di 14-16 Uhr
UHG, SR 166
Die Debatte um die Thesen des SPD-Politikers Thilo Sarrazin hat erneut den Blick auf ein Phänomen gerichtet, das Historiker bereits aus der Zeit der europäischen Hochmoderne kennen. Mit dem Aufkommen des Sozialdarwinismus im späten 19. Jahrhundert und der damit verbundenen Durchsetzung rassistischer und eugenischer Ideen machte sich allmählich die Überzeugung breit, wohlfahrtsstaatliche Konzepte leisteten auf lange Sicht der Schwächung der nationalen Gemeinschaft Vorschub, da sie angeblich Menschen mit schlechtem Erbgut bevorzugen würden. Das Seminar untersucht, in welchen Kontexten sich ein solches Sprechen über "Bevölkerung" entwickelt hat und welche Ordnungsvorstellungen diesem zu Grunde lagen. Wer waren die Träger des biopolitischen Diskurses und welche Ziele wurden mit der akribischen demographischen Vermessung verschiedener Bevölkerungsgruppen verfolgt?
Einführende Literatur: Thomas Etzemüller: Ein ewigwährender Untergang. Der apokalyptische Bevölkerungsdiskurs im 20. Jahrhundert, Bielefeld 2007; Thomas Bryant, Alterungsangst und Todesgefahr - der deutsche Demografie-Diskurs (1911-2011), in: APuZ 10-11/2011; Marc Frey: Experten, Stiftungen und Politik. Zur Genese des globalen Diskurses über Bevölkerung seit 1945, in: Zeithistorische Studien/Studies in Contemporary History 4 (2007), H. 1+2, S. 137-159.
Seminar im Aufbaumodul
Verstaatlichung und Privatisierung im 20. Jahrhundert
Dr. des. Marcel vom Lehn
Mi 14-16 Uhr
August-Bebel-Str. 4, SR 119
Mit der seit 2007 schwelenden Finanzkrise ist wieder deutlicher hervorgetreten, dass sich politische Entscheidungen über das Verhältnis zwischen Staat und Gesellschaft mitunter binnen kürzester Zeit radikal verändern können: Was eben noch als normal und üblich erschien - etwa der Verkauf städtischer Straßenbahnen im Rahmen des Cross Border Leasing - galt der Öffentlichkeit plötzlich als Beispiel grassierender Verantwortungslosigkeit. Ähnlich gravierende Einstellungswechsel gab es im 20. Jahrhundert immer wieder. Das Seminar wird daher einerseits der Frage nachgehen, auf welche gesellschaftlichen Probleme jeweils mit Verstaatlichung oder Privatisierung reagiert wurde. Andererseits wird es aber auch darum gehen müssen, die dahinter stehenden Ideen und Überzeugungen zu untersuchen und nach den Mechanismen ihrer gesellschaftlichen Durchsetzung zu fragen.
Einführende Literatur: Norbert Frei/Dietmar Süß (Hrsg.): Privatisierung. Idee und Praxis seit den 1970er Jahren, Göttingen 2012; Gerold Ambrosius: Der Staat als Unternehmer. Öffentliche Wirtschaft und Kapitalismus seit dem 19. Jahrhundert, Göttingen 1984; ders.: Staat und Wirtschaft im 20. Jahrhundert, München 1990.
Seminar im Aufbaumodul
Kompakt oder entgrenzt? Städtebauliche Leitbilder und Urbanitätsdiskurse am Beispiel von Modellstadtprojekten aus der NS- und DDR-Zeit in Thüringen
Dr. Rüdiger Stutz und Alexander Krahmer M.A. (wird auch bei den Soziologen angeboten)
Mo 10-12 Uhr
CZ3, SR 208
Mit der Hochindustrialisierung im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts gingen umfängliche Stadterweiterungen und eine zunehmende Verstädterung einher, die neben vielgestaltigen Reformansätzen und neuen Stadtvisionen auch großstadtfeindliche Tendenzen hervorbrachten. Vor diesem Hintergrund wurde darüber gestritten, was "städtisches Leben" ausmacht und wie "Stadt" und "Land" voneinander zu unterscheiden seien. Das Seminar betrachtet zunächst die einflussreichen Idealstadtkonzepte des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts und fragt nach dem damit verbundenen Grundverständnis von Gesellschaft, Urbanität und Suburbanisierung. Danach sollen die Leitkonzepte der "klassischen" Moderne mit den Stadt- und Siedlungsplanungen in der NS- und DDR-Zeit verglichen werden. Dazu werden die Leitbilder der "kompakten Stadt" bzw. der "Stadtlandschaft" am Beispiel ausgewählter Modellstadtprojekte aus Thüringen in ihrer planerischen und städtebaulichen Umsetzung untersucht: die Stadtrandsiedlungen der frühen 1930er Jahre, ländliche "Musterstadt"-Projekte der NS-Siedlungspolitik, gigantische Überbauungspläne für die "Gauhauptstadt" Weimar und schließlich die Plattenbausiedlungen des industrialisierten Wohnungsbaus der DDR.
Das Seminar wendet sich sowohl an Studierende der Sozialwissenschaften und der Geschichte. Eine Exkursion soll die Veranstaltung abschließen.
Einführende Literatur: Jürgen Reulecke: Geschichte der Urbanisierung in Deutschland, Frankfurt am Main 1985; Harald Kerber/Arnold Schmieder (Hrsg.): Spezielle Soziologien. Problemfelder, Forschungsbereiche, Anwendungsorientierungen, Reinbek bei Hamburg 1994; Uwe Mai: "Rasse und Raum". Agrarpolitik, Sozial- und Raumplanung im NS-Staat, Paderborn 2002; Christoph Bernhardt/Heinz Reif (Hrsg.): Sozialistische Städte zwischen Herrschaft und Selbstbehauptung. Kommunalpolitik, Stadtplanung und Alltag in der DDR, Stuttgart 2009.
Haupteminar
Das "Dritte Reich" und Europa
Prof. Dr. Norbert Frei
Mi., 10-12 Uhr
HI, SR
Mit Blick auf neuere Forschungsdebatten und auf der Grundlage entsprechender Lektürepakete behandelt das Hauptseminar ausgewählte Aspekte der Geschichte des "Dritten Reiches". Nicht zuletzt soll es darum gehen, den Gründen für die gesellschaftliche und politische Attraktivität nachzuforschen, die das Regime phasenweise im Innern, in den Vorkriegsjahren und unter den Bedingungen der Kollaboration zum Teil aber auch bei den europäischen Nachbarn genoss. An zwei Seminarterminen wird Herr Dr. Johann Chapoutot (Grenoble), der sich im Mai 2012 als Gastwissenschaftler am Jena Center Geschichte des 20. Jahrhunderts aufhält, neuere Forschungen zu Recht und Ethik im Nationalsozialismus vorstellen. Die Zahl der Teilnehmer ist auf 25 begrenzt.
Einführende Literatur: Martin Broszat: Der Staat Hitlers. Grundlegung und Entwicklung seiner inneren Verfassung, München 1969; Norbert Frei: Der Führerstaat. Nationalsozialistische Herrschaft 1933-1945, München 82007; Ian Kershaw: Der NS-Staat. Geschichtsinterpretationen und Kontroversen im Überblick, Reinbek (3. Auflage) 2002; Michael Wildt: Geschichte des Nationalsozialismus, Göttingen 2008.
Für Studierende in Masterstudiengängen zusammen mit:
Lektüregruppe - Dialogisches Lernen
Dr. des. Marcel vom Lehn
Do, 14-16 Uhr, Beginn: 19.4.2012 (14-täglich)
CZ 3, SR 113
Oberseminar / Seminar im Vertiefungsmodul
Prof. Dr. Norbert Frei
Di., 18.30-20.00 Uhr, Beginn: 17.04.2012
HI, SR
Das Oberseminar ist eine Pflichtveranstaltung für alle Studierende, die im Bereich des Lehrstuhls für Neuere und Neueste Geschichte mit Bachelor-, Master- oder Staatsexamensarbeiten beschäftigt sind oder sich darauf vorbereiten wollen. Die Veranstaltung dient insbesondere der Vorstellung und intensiven Diskussion dieser Arbeiten. Persönliche Anmeldung im Lehrstuhlsekretariat.
Übung
Praxisseminar Examensprüfungen zur Geschichte des 20. Jahrhunderts
Dr. Tim Schanetzky
Mi. 16-18 Uhr
August-Bebel-Str. 4, SR 018
Diese Übung richtet sich an fortgeschrittene Studierende (Bachelor, Master, Magister, Staatsexamen), die sich in der Examensphase befinden oder sich auf diese vorbereiten wollen. Im Unterschied zum Oberseminar steht nicht die Diskussion von Abschlussarbeiten im Vordergrund, sondern die Vorbereitung auf Klausuren und mündliche Prüfungen: dabei geht es ebenso um organisatorische Fragen, mögliche Arbeitstechniken, universitäre Hilfsangebote, aber auch Probleme der Themenfindung für Abschlussarbeiten und mündliche Prüfungen. Daneben sollen auch Fachkontroversen zur Geschichte des 20. Jahrhunderts sowie klassische Theorien diskutiert werden, die zur Kontextualisierung von Prüfungsthemen dienen können. Weitere Wünsche und Vorschläge der Teilnehmer zum Programm der Übung sind ausdrücklich willkommen. Es können Übungsscheine in Historiographie, Methodik und Quellenkunde erworben werden.
Übung
Das Bildungssystem der DDR zwischen Anspruch und Wirklichkeit
Martin Morgner M.A.
Mi. 12-14 Uhr
August-Bebel-Str. 4, SR 121
Bildung und Erziehung in der DDR gehörten zu den gesellschaftlichen Bereichen, in denen durch radikale Reformen bereits sehr früh anerkannte Erfolge erzielt wurden. So nötigte die Durchsetzung des gleichen Rechts auf Bildung - und zwar für alle sozialen Schichten, Jungen und Mädchen, in Stadt und Land - auch den Bildungspolitikern im Westen Respekt ab. Die Übung betrachtet die historisch-politischen und ideologischen Grundlagen des Bildungswesens vom Kindergarten über die Einheitsschulen und Universitäten bis hin zur beruflichen Aus- und Weiterbildung. Neben dem naheliegenden Vergleich mit der Bildungsstruktur in der alten Bundesrepublik drängen sich auch Vergleiche mit gegenwärtigen Problemen im Bildungsbereich auf.
Einführende Literatur: Akademie der Wissenschaften der DDR (Hrsg.): Das Bildungswesen der Deutschen Demokratischen Republik, Berlin 1979; Bundesministerium für innerdeutsche Beziehungen (Hrsg.): Vergleich von Bildung und Erziehung in der Bundesrepublik Deutschland und in der Deutschen Demokratischen Republik (Materialien zur Lage der Nation), Köln 1990; Andreas Fischer: Das Bildungssystem der DDR. Entwicklung, Umbruch und Neugestaltung seit 1989, Darmstadt 1992; Heinz-Hermann Krüger, Winfried Marotzki (Hrsg.): Pädagogik und Erziehungsalltag in der DDR. Zwischen Systemvorgaben und Pluralität, Opladen 1994.
Übung
Geschichte - Macht - Politik: Gedächtnispolitik und Krieg in Deutschland von 1945 bis heute
Dr. Christina Morina
Blockseminar
Einführung: 16.04., 16-19 Uhr, August-Bebel-Str.4, SR 013b
Block: 31.05., August-Bebel-Str.4, SR 013b; 01./02.06, UHG, SR 168
Geschichte und Gedächtnis prägen nicht nur das soziale und kulturelle Leben von Gesellschaften, sondern auch deren politische Kultur und Praxis. Gleichzeitig kann die Hoheit über die Geschichte reale politische Macht und Legitimation erzeugen. Daher betrachtet das Seminar nicht nur den öffentlichen Umgang mit dem Erbe des Zweiten Weltkrieges im geteilten und wiedervereinigten Deutschland, sondern auch dessen politische Dimension. Dazu werden politische Debatten und Entscheidungen (Remilitarisierung, Ostpolitik, Wiedervereinigung) ebenso untersucht wie historische Kontroversen (Fischer-Kontroverse, Historikerstreit, Wehrmachtausstellungen). Während sich in der alten Bundesrepublik der Erinnerungskontext mit den Begriffen Antitotalitarismus, Remilitarisierung, Westbindung, Holocaustgedenken und Europäisierung konturieren lässt, setzte die DDR von Beginn an auf den Dreisatz Antifaschismus, deutsch-sowjetische Freundschaft und proletarischer Internationalismus. Die "Berliner Republik" hingegen steht immer wieder von Neuem vor der Frage, welche Bedeutung die "Lehren des Krieges" haben sollen. Ziel des Seminars ist es, den Zusammenhang zwischen Geschichte, Macht und Politik vor dem Hintergrund der deutschen Teilung und Wiedervereinigung auszuleuchten und zu erklären.
Einführende Literatur: Aleida Assmann/Ute Frevert: Geschichtsvergessenheit, Geschichtsversessenheit. Vom Umgang mit deutschen Vergangenheiten nach 1945, Stuttgart 1999; Jan-Werner Müller: Memory and Power in Postwar Europe. Studies in the Presence of the Past , Cambridge 2002; Gesine Schwan: Politik und Schuld. Die zerstörerische Macht des Schweigens, Frankfurt am Main 1997; Edgar Wolfrum: Geschichtspolitik in der Bundesrepublik Deutschland. Der Weg zur bundesrepublikanischen Erinnerung 1948-1990, Darmstadt 1999.
Zeitgeschichtliches Kolloquium
Mi. 18-20 Uhr
Zwätzengasse 4, S
Das Zeitgeschichtliche Kolloquium wird von Prof. Dr. Norbert Frei, Prof. Dr. Jörg Ganzenmüller, Prof. Dr. Thomas Kroll und Prof. Dr. Joachim von Puttkamer gemeinsam veranstaltet. Vorgestellt und diskutiert werden vor allem Forschungsentwürfe, laufende Untersuchungen und jüngst abgeschlossene Qualifikationsarbeiten zur Geschichte des 20. Jahrhunderts. Zur regelmäßigen Teilnahme eingeladen und aufgefordert sind insbesondere die Doktoranden, Mitarbeiter und fortgeschrittenen Studierenden der Veranstalter. Willkommen sind alle Angehörigen des Historischen Instituts und der Universität.
Doktorandenschule Jena Center Geschichte des 20. Jahrhunderts
Ort und Zeit nach Vereinbarung
Im Rahmen seiner Doktorandenschule veranstaltet das Jena Center Geschichte des 20. Jahrhunderts ganztägige Seminartage (aktuelle Informationen unter www.jenacenter.uni-jena.de). Die Teilnahme ist grundsätzlich den Mitgliedern der Doktorandenschule vorbehalten. Neue Interessenten wenden sich bitte an den Leiter des Jena Center, Prof. Dr. Norbert Frei.